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Deutsche und österreichische Bomben und Zünder
in beiden Weltkriegen

Zu Beginn des ersten Weltkrieges besaß das deutschkaiserliche Heer für seine Flugzeuge keine Abwurfmunition. Die Artillerie-Prüfungs-Kommission (APK)) hatte Bomben für Luftschiffe konstruiert, die alle Nachteile der längst aussortierten Glattrohr-Artillerie aufwiesen; Hohlkugeln aus Gußeisen, die tief im Erdboden verschwanden und dort wirkungslos verpufften. Die ersten Bomben für Flugzeuge waren umgebaute Werfergranaten und zu einer geballten Ladung zusammengebundene Stielhandgranaten.

Ab 1915 lieferten die Carbonit-Werke ihre tropfenförmigen Bomben, ab 1916 die Prüfanstalt und Werft (P.u.W.) den neuen Bombentyp, die torpedoförmigen Bomben, mit denen sich genauer zielen ließ.
Die Bomben der WASAG Reinsdorf, wieder tropfenförmig gebaut, wurden nicht in großen Mengen hergestellt, da sie den Modellen der P.u.W. technisch weit unterlegen waren.

An den deutschen Bomben und ihren Zündern wurde bis 1944 immer weiter konstruiert und verbessert, obwohl die Luftwaffe kaum noch über strategische Bombenflugzeuge verfügte. An Flächenbombardierungen, wie sie die Alliierten täglich auf viele europäische Länder durchführten, war ab 1941 nicht mehr zu denken.

Das kaiserlich-königliche Österreich-Ungarn entwickelte schon früh einen militärischen Flugbetrieb und einige Bombentypen, übernahm dann im Verlaufe des 1. Weltkrieges auch einige deutsche Abwurfmunition.


Die Tafeln sind 120 x 80 cm groß, von feinstem Tintendruck auf bester Papierqualität. Sie zeigen den technischen Stand von 1914 bis 1945.


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Die Bomben der Artillerie-Prüfungskommission
Durch “Allerhöchste Kabinett-Order” vom 17. März 1809 befahl der preußische König, daß kein dauerndes »Comitee« eingesetzt, sondern für jeden Fall eine besondere Kommission gebildet werde. Dann am 29. Februar 1816, bestimmte wieder eine Allerhöchste Kabinett-Order endlich die Gründung einer festen Einrichtung für Artilleriefragen: die Artillerie-Prüfungskommission (APK). Als ständige Einrichtung war sie während des Ersten Weltkrieges die vom Kaiser beauftragte Kommission für die Untersuchungen und Prüfungen des Gerätes und der Munition der Artillerie.
Ab 1913 entwickelte die APK mit erstaunlichem Phantasiemangel »sphärische Sprengbomben« nach dem Vorbild der Kugelgeschosse für die Glattrohr-Artillerie; beide Schöpfungen endeten in einer Serie großartiger Pleiten. Die Bomben detonierten, wann sie wollten, und besonders häufig erst tief im Erdboden, was ihre Spreng- und Splitterwirkung wesentlich reduzierte. Vermutlich hatten die verantwortlichen Herren die italienischen Siegesfanfaren aus dem tripolitanischen Krieg von 1911 allzu wörtlich genommen und sich wohl auch von den französischen Michelin-Wettbewerben im Bombenwerfen von 1912 zu unangemessenem Optimismus verleiten lassen.
Diese APK-Kugelbomben wurden aus den Zeppelin-Luftschiffen oder durch den zweiten Mann im Flugzeug, den Beobachter, abgesetzt: man ließ sie einfach aus der außen am Luftschiff angebrachten Halterung gleiten oder aus der Hand fallen. Weder die sphärischen Bomben noch die birnenförmigen Carbonit-Bomben ließen ohne technische Hilfsmittel -wie Fallrohre oder Bombenvisiere- einen treffsicheren Wurf zu. Die APK-Bomben verschwanden schnell aus der Fliegertruppe, denn die Industrie hatte sich auf den neuen Bedarf schnell eingestellt und längst bessere, größere, profitablere geschaffen.
 

Die Bomben der Sprengstoff A.-G. CARBONIT
Die Waldsiedlung ist flächen- und bevölkerungsmäßig der kleinste Lever-kusener Stadtteil. Seit 1887 gab es hier eine Fabrik zur Herstellung von Sprengstoffen und Vorprodukten, die Carbonit-Firma »Schmidt & Bichel«, später die »Sprengstoff AG Carbonit«. Carbonite sind Wettersprengstoffe, die seit 1885 für den Bergbau hergestellt wurden. Wettersprengstoffe sind sichere Sprengstoffe für den Einsatz unter Tage im Kohlenbergbau; sie enthalten zwischen 65 bis 82 % Ammoniumnitrat und 4 % Nitroglycerin oder 27 bis 56 % Ammoniumnitrat und 12 bis 30 % Nitroglycerin. Fast alle Wettersprengstoffe enthalten 1 bis 4 % Holzmehl, 10 bis 40 % Alkalichloride und 2 bis 8 % DNT (Dinitrotoluol) oder TNT (Trinitrotoluol).


In Deutschland kamen um die Wende zum 20. Jahrhundert eine große Menge wettersicherer Produkte in den Handel: Agesit, Albit, Ammoncahücit, Arit, Astralit, Baldurit, Barbarit, Bavarit, Bradit, Carbonit, Dahmenit, Detonit, Donarit, Dynamit, Dynammon, Fördit, Fulmenit, Lignosit, Markanit, Monachit, Monakit, Nobelit, Permonit, Roburit, Salit, Siegrit, Sonnit, Wasagit, Westphalit und Zellit.

1887 begann die Pulverfabrik Hanau -zusammen mit der »Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron AG«- mit einer Versuchsreihe, deren Ziel die Verwendung von TNT als Sprengstoff für militärische Zwecke war. Zwar waren die Versuche zufriedenstellend, doch die Einführung dieses hochbrisanten Sprengstoffs, der schnell zum weltweiten Standardsprengstoff wurde, erfolgte erst 1904, als die »Carbonit AG« die Produktion in der »Ersten TNT-Fabrik der Welt« aufnahm. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verfügten alle größeren Sprengstoffhersteller und einige staatliche Pulverfabriken über eigene TNT-Betriebe. Im Werk Schlebusch arbeiteten 4000 Menschen.

Anfang des 20. Jahrhunderts drehte sich auf dem Schlebusch-Areal alles um Sprengstoff. Bis 1926 waren auf dem 84 Hektar großen Betriebsgelände etwa 450 Gebäude und Anlagen mit Anschluß über die Schlebuscher Kleinbahn an den Bahnhof Morsbroich. Nach mehreren Explosionen im Jahre 1926 wurde die Fabrik nicht wieder aufgebaut. Die Sprengstoff Carbonit AG stellte ihre Produktion ein und verkaufte das Betriebsgelände an ein Bauunternehmen, das in den folgenden Jahren 600 Häuser darauf errichtete.

Im Rif-Krieg des Winters 1913 flogen die Spanier mit einem österreichischen Flugzeugtyp »Lohner Pfeilflieger« einen Angriff gegen den Ort Ben Charrich südlich von Tetuan. Dabei warfen sie vier in Deutschland entwickelte Flugzeug-bomben vom Typ »Carbonit« ab: Schrapnellbomben, gefüllt mit Sprengstoff und Stahlkugeln. Die spanische Militärgeschichtsschreibung rühmt heute die Luftwaffe des Landes, damals als erste überhaupt speziell für den Luftkrieg konstruierte Bomben unter echten Kriegsbedingungen abgeworfen zu haben. Einer der spanischen Piloten erklärte stolz: »Wir hatten die besten Bomben, die deutschen, die ausgereifter waren als die englischen oder französischen.«

Die Sprengstoff A.-G. CARBONIT des Dr. Bichel mit Geschäftssitz in Hamburg und Werken in Kiel und Schlebusch (zwischen Köln und Düsseldorf) hatte eine Reihe Sprengbomben und auch Brandbomben mit einem eigenen Zündsystem entwickelt, wobei die gute Nachbarschaft zur kaiserlichen Werft in Kiel sehr hilfreich gewesen sein mag. Die ersten Carbonit-Sprengbomben, die gegen Ende 1914 von den deutschen Zeppelinen eingesetzt wurden, stammten aus einem mexikanischen Auftrag, der nicht ausgeführt werden konnte, weil ein Embargo zu Beginn des Krieges die Ausfuhr von Kriegsgerät verbot: einerseits wurde nun jede kriegswichtige Schraube im Reiche selbst gebraucht, andererseits wollte man keine fremden Mächte hochrüsten, bei denen ungeklärt war, auf welche Seite sie sich im Laufe des Krieges schlagen würden.

Neben der winzigen »Fliegermaus«. einer bei Kriegsbeginn schnell abwurffähig gemachten Gewehrgranate, standen die birnenförmigen C.B. (Carbonit-Bombe) in den Kalibern 3 kg, 4,5 kg, 10 kg, 15 kg, 20 kg und 50 kg zur Verfügung. Keine dieser Bomben konnte jedoch die Fliegertruppe dauerhaft zufriedenstellen, denn die Luftfahrt schritt technisch schneller voran als die Abwurfmunition. Hatten die Bombenbauer ihre neue Munition gerade eben erst auf das neueste, größere,, schnellere Flugzeug ausgerichtet, stand schon das nächste bessere, größere, schnellere bereit, denn die zahlreichen Flugzeugbauer wetteiferten in ihrer patriotischer Pflichterfüllung -und im Erwerbsstreben- nicht weniger als die Munitionsindustrie.

Die Carbonit-Bomben blieben im Dienst der Marine-Zeppeline, auch nachdem das Heer sie 1916 gegen die neuen torpedoähnlichen Bomben der P.u.W aus-getauscht hatte. Die allgemeine Form der Carbonit-Bomben glich einer Birne, weil die Konstrukteure den weit unten liegenden Schwerpunkt für ballistisch besonders vorteilhaft hielten.
Das Leitwerk der Spreng- wie auch der Brandbomben bestand aus einem fast kalibergroßen breiten Blechring, der mit Flacheisen an den Bombenkörper genietet oder geschraubt war. Durch den Blechring sollte der Fallwind nicht nur den Bombenflug stabilisieren, sondern auch zuerst die Blechhaube zur Entsicherung und dann den dreiflügeligen Propeller antreiben, der den Schlagbolzen entsicherte. Quer durch das Leitwerk war -wie bei einem Eimer- ein Henkel gesetzt, an dem der Bombenschütze die Bombe über Bord hievte.

Der britische Sicherheitsdienst nannte die Carbonit-Bomben »Wasserbomben« -vermutlich von der auffälligen Tropfenform des gußeisernen Bombenkörpers irregeführt…- und wies selbstredend in konsequenter Logik die kugelförmigen APK-Bomben den »Landbomben« zu.

Die Bomben der »Sprengstoff AG Carbonit« waren schon Ende 1915 technisch überholt: das Bessere ist dem Guten feind. Trotzdem wurden sie von den Luftschiffen der Marine, die nicht vollends auf die P.u.W.-Bomben umrüstete, bis Kriegsende eingesetzt, die Bestände aufgebraucht.

Der letzte Angriff eines Heeres-Luftschiffes an der Westfront fand am 16.2.1917 statt. Danach wurden die vorhandenen oder in Bau befindlichen Luftschiffe entweder der Marine zugeteilt oder auf dem Balkan eingesetzt.

 

Die WASAG-Bomben aus Reinsdorf
Nur wenige Jahre nach den bahnbrechenden, die militärische Welt auf den Kopf stellenden Erfindungen von Sobrero und Nobel in der Explosiv-stoffchemie, kontrollierte die englische »Nobel Dynamite Trust Co.« im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts weitgehend die Sprengstoffindustrie Europas; ihre Aktienmehrheit bei den führenden Sprengstoffherstellern bestimmte die Qualitätsnormen ebenso wie die Preise.
In Deutschland erkannte man im englischen Monopol einen entscheidenden Mangel in der Rüstung des Reiches, der sich bei einem militärischen Konflikt fatal auswirken würde; einen Mangel also, dem dringend abzuhelfen war, und dessen Beseitigung gleichzeitig große Gewinne versprach. Aus diesen ebenso starken wie legitimen Anlässen -Patriotismus und Gewinnerwartung- fand sich am 20. November 1891 eine Gruppe hochrangiger Kaufleute und Chemiker in Düsseldorf ein, um die »Westfälisch-Anhaltinische Sprengstoff Actien-Gesell-schaft«, kurz »WASAG«, mit Sitz in Coswig (Anhalt) zu gründen.

Erklärte Ziele der Firmengründung waren

»1. Die Herstellung von Explosivstoffen und Sprengmitteln, sowie den dazu benötigten Rohstoffen aller Art, dazu der Handel mit denselben, mit den herge-stellten Rohprodukten und den wiedergewonnenen und weiterverarbeiteten Abfallprodukten, und

2. Die Erwerbung oder Pachtung und Errichtung von Anlagen jeder Art, welche zur Erreichung der vorgenannten Zwecke erforderlich oder dienlich sind.«

Eine chemische Fabrik war in Coswig ohnehin schon seit langem geplant. Seit Monaten lagen die Entwürfe fertig in den Schubladen und warteten auf ihre Anwendung, denn der Chemiker August Bischof hatte bereits am 3. Juni 1891 die Genehmigung zum Bau der Fabrik erhalten.
Die Gründungsmitglieder der WASAG, zu denen weltbekannte Großindustrielle wie Hugo Stinnes, Hugo von Gahlen und Gustav Poensgen gehörten, setzen Dr. Max Bielefeld, der die Konzession für Coswig sogleich von August Bischof übernahm, als Geschäftsführer der WASAG ein.
Der Standort Coswig war gut gewählt, denn das sehr und noch lange ertragreiche mitteldeutsche Braunkohlerevier war nur zwei Steinwürfe entfernt, und Kupfer -in der Sprengmitteltechnik ein immer viel gebrauchter Stoff- konnte aus den Mansfelder Kupfergruben bezogen werden, die ebenfalls in der Nähe lagen wie auch die Elbe, die sich für den Schiffstransport anbot.

Sofort nach Gründung der WASAG begann man in Coswig mit dem Bau der ersten Dynamit-Fabrik, doch schon bald kam es zu ernsthaftem Streit mit benachbarten Fabrikanten, die keine Konkurrenz direkt vor der Nase dulden wollten, dazu Ärger mit der preußischen Bahnverwaltung und dem Magistrat von Coswig.
Deshalb stoppte das anhaltinische Staatsministerium 1892 alle Bautätigkeiten und begründete dies mit der Nichtanerkennung von Konzessionen, die von anderen deutschen Staaten erteilt waren. In kluger Vorsorge sicherte sich die WASAG jedoch Grundstücke in der kleinen Gemeinde Reinsdorf -diesmal auf preußischem Staatsgebiet-, die nur etwa 10 km westlich Coswig bei Wittenberg liegt, und wartete ab, wie dieser Streit ausgehen würde.

Anders als die anhaltinische hatte die preußische Staatsregierung die wehr-politische und wirtschaftliche Bedeutung einer solchen Fabrik sofort erkannt. Am 06.04.1894 erteilte die preußische Staatsregierung die Genehmigung zur Errichtung einer Sprengstoffabrik. Mit dem Bau wurde sofort begonnen, man hatte genug Zeit verloren. Die schon in Coswig vorhandenen Anlagen wurden nach Reinsdorf verlagert, und nach nur neun Monaten nahm das Werk die Produktion auf, zunächst die von Dynamit- und Ammonsalpeter. Ende 1896 waren dann auch die Gleisanschlüsse zur preußischen Staatsbahn und die restlichen Pulveranlagen fertiggestellt.

Inzwischen war der WASAG gelungen, sich völlig auf die Bedürfnisse des Militärs einzustellen. Bisher hatte das Werk nur Artilleriemunition hergestellt, Granatfüllungen, Treibladungspulver, Zündladungen usw., für die schon seit 1898 Aufträge vom preußischen Kriegsministerium vorlagen. Voraussetzung zur Erfüllung der militärischen Bedürfnisse war jedoch der Bau von Unter-suchungseinrichtungen, Labors und Schießständen wie auf der Insel Eiswerder im Feuerwerkslaboratorium Berlin-Spandau.

Ab 1902 fertigte die WASAG Reinsdorf die Patronen in einer eigenen Hülsenzieherei, nahm eine Sprengkapsel- und eine Knallquecksilberanlage in Betrieb und begann mit der Produktion von Jagdpulver und Jagdpatronen.
Ab 1905 produzierte man dann auch schon das neue Trinitrotoluol (TNT oder FP 02, Trotyl), das sich wegen seiner günstigeren Eigenschaften mehr und mehr durchsetzte und die noch giftigere und schwerer handzuhabende, schnell empfindliche Kristalle bildende Pikrinsäure als Granatfüllung verdrängte.

Bis Ende des Ersten Weltkrieges fertigte das Werk Reinsdorf in den Geschäfts-bereichen

Zivil- Gelantine-Dynamit
- Wittenberger Wetter-Dynamit
- wettersicheres Gelantine-Dynamit
- Westphalit
- Petroklerit (Holoklastit)
- Sprengkapseln und Zündschnüre

Militär- Nitroglyzerin-Pulver
- Schießwoll-Pulver
- Granatfüllungen und Sprengladungen aus TNT, Pikrinsäure und Tetryl
- Sprengkapseln und Zündschnüre

Die Grundfläche des Betriebes in Reinsdorf wurde mit 3.100.772 m2 insgesamt und einer bebauten Fläche von 230.817 m2 angegeben. Gleich ab Beginn des 1. Weltkrieges arbeitete das Werk in zwei Schichten und erweiterte alle Anlagen kriegsbedingt. Natürlich erforderte dies auch eine höhere Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen, die oft von sehr weit her kamen. Man baute Unterkünfte und eine Krankenstation mit einem Operationssaal.

Ab 1915 nahm das Werk die Produktion von lösungsmittelfreien Nitroglyzerin-pulvern und Übertragungsladungen aus Tetryl auf. Am 11. August zerstörte eine Explosion die Abteilung zur Herstellung von Seeminen völlig, tötete 30 Arbeiter, verletzte 100 schwer und lähmte die Produktion von Pikrinsäure und Granatfüllungen für einige Monate. Die Ursache wurde nicht festgestellt.

Das Jahr 1917 war voller schwerer Unfälle und Explosionen. Eine am 4. Juni durch Brand verursachte Explosion in der Nitroglyzerinanlage forderte 5 Tote und 30 Verletzte und hinterließ großen Materialschaden, ein Brand am 11. Juli zerstörte das Trockengebäude: Sabotageverdacht! Eine Explosion am 27. Juli tötete 4 Arbeiter und verletzte 2 schwer. Am 10. November zerstörte eine größere Explosion die neue Nitrocellulosefabrik und mehr als 100 kleinere Pulverschuppen. Die Werksleitung zählte 20 Tote und 40 Verletzte. Auch hier blieb die Ursache ungeklärt.

Bei kleineren Unfällen am 25. Januar und 22. April 1918 starben 7 Arbeiter, kleine Brände im Sommer führten zum Verlust von einigen Tonnen Pulver. Nach Feststellungen des militärischen Abwehrdienstes waren viele Unglücke »Sabotageakte des Feindbundes«. (1)

Natürlich beteiligte sich auch die WASAG mit eigenen Entwürfen an der Entwicklung der neuen Bombenwaffe für die Fliegerei, doch kam es nicht mehr zur Produktion, denn die Beschaffungsstelle der Armee hatte sich bereits im Frühjahr 1916 für die stromlinienförmigen Bomben der Prüfanstalt und Werft entschieden. Dennoch sind Konstruktionszeichnungen von drei Bomben und zwei Zündern der Jahre 1915 und 1916 aus Reinsdorf erhalten geblieben. Ob diese Konstruktionen im Feldversuch erprobt wurden, ist unklar.

Die WASAG-Bomben waren den Carbonit-Bomben ähnlich, besaßen allerdings nicht deren ausgeprägte Tropfenform. Ihre Länge einschließlich des Leitwerks lag zwischen 34 und 37 cm, der größte Durchmesser betrug 10,6 cm.
Leider beschränken sich die Angaben in den Konstruktionszeichnungen auf die Abmessungen der Abwurfkörper und geben keine Gewichtsklasse an, doch gibt eine Eintragung Auskunft über die Sprengladung: »Geschmolzenes Gemisch von 60 Teilen Fp 02 und 40 Teilen Ammonsalpeter: ca. 1,749 kg«.
Einschließlich ihrer Füllung aus AMATOL dürfte das Gesamtgewicht der Bombe bei etwa 10 kg liegen. Diese geringe Sprengkraft mag ein weiterer Grund für die Verwendung der P.u.W.-Bomben sein.

(1) „Vom verhängnisvollen Einfluß der Sabotageakte auf die Kriegführung“, Oberst a.D. Carl von Roeder, Leiter des Abwehrdienstes, in »Was wir vom Weltkrieg nicht wissen«,
H. Fikentscher Verlag, Leipzig 1938


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